Gedenkblatt für Monika Helfer
Sie hat die Literatur auf den Kopf gestellt, oder besser gesagt auf die Füße.
Die Vorarlberger Dichterin Monika Helfer ist seit dem Roman Die wilden Kinder, 1984, und vor allem dank der Saga zu ihrer Herkunftsfamilie — der erste Band, Bagage, erschien 2020 — als Autorin dichter Prosa bekannt.
Am 2. August starb sie unerwartet nach einem Unfall in ihrem Garten. Ein Tod, zu dem sie vielleicht in ihrer lakonischen Art angemerkt hätte: Besser so als nach allen möglichen Leiden und Krankheiten, die das Alter bringt. Ihre zurückhaltende Geradheit wird der Familie und den FreundInnen fehlen; Lesende finden sie weiterhin in ihren Büchern, mit Händen zu greifen.
Zu einen Sammelband mit Gleichnissen steuerte Monika einmal drei Kurztexte bei: Begebenheiten im Bregenzerwald, wo sie 1947 geboren wurde, Erfahrungen von Frauen, schwer auszuhalten, unter die Haut gehend. Ein paar Sätze jeweils nur; sie umreißen das Misstrauen des Ehemanns, unmenschliche Stigmatisierung durch den Pfarrer; den «angesehenen Familienvater», der zur jungen Mutter kommt mit Pornoheften, weil sie «ja offensichtlich viel allein sei»; die warmherzige Eierfrau, eine Zuhörende, wie Monika Helfer selbst es war. An jede Begebenheit schließt die Frage an: «Liebst du den Bregenzerwald?» — Gleichnisse?? — Ja, Gleichnisse anhand von eigener, zur Sprache gebrachter Erfahrung, unübliche Gleichnisse, die zeigen, wo «Heimat» ist und wo nicht, dass Heimat nicht mit Orten zu tun hat, sondern mit Menschlichkeit. Gleichnisse, gewidmet dem Landsmann Franz Michel Felder — denn Monika Helfer war auch eine Leserin, beheimatet in der Literatur, in die sie einen frischen, unverblümten Ton gebracht hat.
Beerdigt wurde sie in Hohenems, wo die Autorin mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Michael Köhlmeier, lebte. Die Verabschiedung in der Kirche passend, einfach. Der Dienst des Priesters am Sarg: Wasser, Weihrauch, ein Psalm. Ein Freund liest eines ihrer Gedichte — als Lyrikerin ist Monika Helfer noch zu entdecken. Der Friedhof im Schatten des Schlossbergs, der Steilhang mit seiner Überfülle von Grün, Baumkronen aller Art im Morgenwind. Den Zickzack-Weg durch diesen Wald ist sie oft gegangen, wie ihre jung verunglückte Tochter, zum Felskamm empor und weiter. Während sich Vorarlberg, nein, die Welt, von Monika Helfer verabschiedet, der geradlinigen und zugleich dezenten Frau und Autorin, erscheint dort oben die Sonne, groß, ruhig, wie ein Trost fast.
erschienen im Vorarlberger Kirchenblatt, 20.08.2026